Kulturzentrum Lagerhaus e.V. Bereich MIGRATION
Kulturzentrum Lagerhaus e.V. Bereich MIGRATION

Presse 2017

  • 20.01.17: "Flüchtlingen aus Guinea Perspektiven bieten"
  • 03.02.17: "Auf dem richtigen Weg"
  • 11.05.17: "Unscharfe Impressionen"

Unscharfe Impressionen

Armand de Bussy stellt im Kulturzentrum Lagerhaus aus

Mitte. Es ist Mittwoch 11.30 Uhr. Der Konferenzraum im Lagerhaus, der auch als sehr übersichtliche Galerie funktionieren soll, ist geöffnet. An einer Wand hängen die ausgestellten Bilder. Gleich darunter steht eine Reihe Computer, an denen gearbeitet wird. Die Gemälde sind teilweise beleuchtet. Es handelt sich um zwei großformatige Ölbilder, beide im Stil der naiven Kunst. Eines zeigt eine Gruppe Indios vor einer Landschaft. Das zweite zeigt eine Gruppe Kinder in vertrocknetem Gras. Das erste Bild ist sehr grob gemalt, das zweite feiner. Die Personen sind statisch aufgefasst. Sie sind einfach da.

Der Künstler Armand de Bussy schreibt: „Als Einwanderer mit deutsch-peruanischen Wurzeln schaffe ich meine Werke mit anderen Augen und vielleicht auch mit anderer Wahrnehmung und anderen Empfindungen als deutsche Künstler.“ Das betreffe, so de Bussy weiter, die Themen und Motive seiner Kompositionen als auch den Umgang mit Farbe und der Umsetzung. „Die großen Gemälde sind inspiriert von Orten meines Herkunftslandes Peru am Titicacasee und zeigen die Armut und die Regression in den Anden.“

Die Fotoserie „Impressionen aus Nymphenburg“, heißt es im Pressetext des Künstlers, beschäftigt sich mit den Gärten und Gebäuden des Nymphenburger Schlosses. Absichtlich fehlen die Besucher als Motiv. Absichtlich sind es unscharfe, fast impressionistisch wirkende Fotografien mit starker Farbigkeit. Einige der Fotos im Format 40x50 cm haben durchaus eine dekorative Qualität – andere sind nur unscharf. Warum?

„Über die Farbigkeit entsteht eine Verbindung zu den Gemälden mit peruanischen Motiven, aber der Betrachter kann neben dem ästhetischen Kunstgenuss auch Fragen stellen, die den Kontrast thematisieren: Nymphenburg zeigt eine untergegangene Epoche, die architektonische, florale und skulpturale Schönheit berührt uns, aber mit unserem täglichen Leben hat das Ensemble nichts zu tun – im Unterschied zum einfachen Leben in der Gemeinschaft in den peruanischen Anden.“

Was Nymphenburg indes mit den peruanischen Anden zu tun hat, bleibt im Dunkeln. Der Künstler konnte bis zum Redaktionsschluss nicht zu einem persönlichen Gespräch getroffen werden.

Migrationsbereich des Kulturzentrums Lagerhaus in der Schildstraße. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 10 bis 13 oder 14 Uhr.

Quelle: WK / 11.5.17

Auf dem richtigen Weg

Ein Gegenmodell zur Drogenszene: Guineer haben Verein gegründet, um ihre Landsleute zu unterstützen
Bremen. Die vier Männer kommen aus Guinea. Das afrikanische Land ist in Verruf geraten, seit bekannt wurde, dass viele der Jugendlichen, die am Bahnhof oder im Viertel mit Drogen dealen, von dort kommen. Die Vier ärgern sich mächtig über das Bild, das auf diese Weise von Guinea und ganz allgemein von Afrikanern in Bremen entstanden ist. Aber eigentlich wollen sie darüber gar nicht sprechen, sagt Ibrahima Bah. "Für das große Thema Drogenhandel finden wir hier ohnehin keine Lösung." Er und seine Mitstreiter setzen lieber auf einen anderen Weg, haben dafür sogar eigens einen Verein gegründet. Sie wollen zeigen, dass es auch anders geht. Dass man es als Flüchtling in Deutschland sehr wohl auf legalem Weg schaffen kann. Über Schule, Ausbildung und Arbeit. Sie selbst sind der beste Beweis dafür.

Es sei ein mühsamer Weg und man brauche viel Geduld, sagt Ismael Diallo. In Guinea gelte Deutschland als Land, in dem man schnell reich werden kann. Doch einmal hier angekommen, merkten viele seiner Landsleute schnell, dass Traum und Realität nicht zusammenpassten. Ein entscheidender Moment sei das, sagt Bah. "Gerade dieser Anfang ist wichtig. Man kann schnell auf einen guten Weg kommen. Oder auf einen schlechten."

Sie haben deshalb einen Verein gegründet, den "Guineischer Verein für Integration und Bildung in Deutschland". Der organisiert Diskussionsrunden und andere Veranstaltungen, um das afrikanische Land in Bremen bekannt zu machen. Vor allem aber bietet er jeden vorletzten Sonntag im Monat um 15 Uhr im Lagerhaus ein Treffen für alle Guineer an. Rund 40 Mitglieder zählt der Verein. Überwiegend Männer, aber es sind auch einige Frauen dabei, erzählt Ismael Diallo. Um den Überblick zu behalten, führt er eine akkurate Liste mit den Unterschriften aller Teilnehmer.

"Man ist verloren, wenn man neu in Bremen ankommt. Alles ist fremd, da sucht man automatisch die Bindung zu Landsleuten", beschreibt Ibrahima Bah den gedanklichen Ausgangspunkt für die Vereinsgründung. "Wir wollten eine Gemeinschaft bilden, die füreinander da ist." Diallo ergänzt: "Um den Neuen das Gefühl zu geben, dass jemand da ist für ihre Probleme, und dass wir uns untereinander helfen."

Automatisch übernehmen die Vereinsmitglieder dabei Vorbildfunktion. Ismael Diallo zum Beispiel für diejenigen, die für ein Studium nach Bremen kommen. Der 30-Jährige, der seit sechs Jahren in Deutschland lebt, hat in Guinea Betriebswirtschaft studiert. Sein Diplom dafür hat er sich in Bremen anerkennen lassen, außerdem aber eine 15-monatige Weiterbildung in Informationstechnik und Logistikmanagement absolviert. Seine Erfahrungen und sein Wissen gibt er nun an andere weiter. Kontakt zu ihm oder dem Verein ist per E-Mail unter izmo2010@diallo@yahoo.com möglich.

"Man braucht diese Einführung", bekräftigt Ibrahima Bah. "Man hat zwar ein Visum und darf in Deutschland studieren, aber es gibt so vieles, was man nicht weiß." Über den ganzen zu erledigenden Papierkram, über Behördengänge und Versicherungen oder auch über die Wohnungssuche. Hier könnten ehemalige Studenten helfen. "Sie kennen die Wege."

Einer, den Ismael Diallo unterstützt, ist Nabi Laye Moussa Conte. Der 34-Jährige hat in Guinea Physik studiert und ist Ingenieur. Die erste Hürde, die er jetzt in Deutschland nehmen muss, ist die Sprache. Ein Hauptansatzpunkt auch für den Verein, der sich um Sprachkurse bemüht. "Man kann hier alles schaffen, aber der Schlüssel dafür ist die deutsche Sprache", sei deshalb das Erste, was man den Neuankömmlingen zu vermitteln versuche, berichtet Diallo.

Ibrahima Bah hat dies auf besondere Weise erfahren. Als er vor zwölf Jahren als Schüler nach Deutschland kam, seien Sprachkurse zur Integration noch kein so großes Thema gewesen. "Im Heim, in dem ich anfangs wohnte, gab es dafür keine Möglichkeit. Da musste jeder irgendwie für sich selbst sorgen." Er habe sich deshalb bei der Volkshochschule für einen Deutschkurs angemeldet und den auch selbst bezahlt. In der Ausländerbehörde habe gerade dies später für großes Erstaunen gesorgt, erzählt Bah lachend.

Auch der 29-Jährige hat einen langen Weg hinter sich. Als Asylbewerber erhielt er zunächst eine Duldung, die zwar immer wieder verlängert werden musste, bekam dadurch aber zumindest eine Arbeitserlaubnis. Seit drei Jahren hat er einen deutschen Pass, arbeitet heute bei der Arbeiterwohlfahrt als Betreuer in einer Flüchtlingseinrichtung.

Auch Ismael Diallo arbeitet, als Lehrer für Deutsch und Integration. Dies sei enorm wichtig, sagt er. Damit signalisiere man den jungen Leuten aus Guinea eine klare Botschaft: "Es gibt welche, die eine Ausbildung machen und berufstätig sind. Es klappt." Auch dies ein ganz bewusster Kontrapunkt zu denjenigen, von denen zuletzt in Bremen häufig die Rede war: Dealer, die versuchen, Neuankömmlinge aus Guinea für die Drogenszene zu gewinnen, indem sie ihnen einreden, dass man als afrikanischer Flüchtling in Deutschland ohnehin keine Chance habe.

Zu zeigen, dass es sehr wohl auch anders geht, habe allerdings viel mit Geduld und Vertrauen zu tun, betont Diallo. "Wir sagen es ihnen immer wieder: es ist schwer, aber sei geduldig. Mach deine Schule, irgendwann hast du eine Ausbildung, irgendwann hast du eine Arbeit. Aber du musst Geduld haben."

Auch sein Mitstreiter mit dem gleichen Nachnamen, Alpha Oumar Diallo, befindet sich noch am Anfang dieses Weges. "Bei uns heißen viele Diallo, das ist so wie hier Meyer oder Müller", sagt er. Seit zwei Jahren ist er in Bremen und mit 19 Jahren der Jüngste aus dem Quartett. Zurzeit absolviert er ein einjähriges Praktikum in einer Bremer Firma. Sein Ziel ist es, dort in diesem Jahr eine Ausbildung zur Lagerlogistik-Fachkraft zu beginnen. Der junge Mann hat über seine Mitarbeit bei einem Theaterstück Kontakt zu dem guineischen Verein bekommen. "Ich bin da hingegangen und habe viele Leute aus meiner Heimat getroffen, die mir geholfen haben, wenn ich Unterstützung brauchte", erzählt er. Heute spreche er selbst junge Menschen auf der Straße an und weise sie auf den Verein hin.

Genau so soll es laufen, findet Ibrahima Bah. "Wir sprechen die Jungs an und hoffen, dass sie uns vertrauen." Über diese jungen Leute könnten dann vielleicht die nächsten gewonnen werden, auf diese Weise nach und nach immer mehr Guineer integriert werden. "Und so für ein besseres Image von Guinea in Bremen sorgen."

Stichwort Guinea

Die Republik Guinea ist ein Staat in Westafrika. Er hat etwa 11,5 Millionen Einwohner (Stand 2014) und ist mit rund 250 000 Quadratkilometern in etwa so groß wie Großbritannien. Hauptstadt Guineas ist Conakry, Amtssprache Französisch. Die vorherrschende Religion ist der sunnitische Islam, fast 90 Prozent der Bevölkerung sind Muslime.

„Man kann hier alles schaffen, aber der Schlüssel dafür ist die deutsche Sprache.“ Ismael Diallo

Quelle: Weserkurier / 3.2.17

Flüchtlingen aus Guinea Perspektiven bieten

Politiker treffen sich zu Diskussion im Lagerhaus
Bremen. Flüchtlinge aus Guinea stoßen in Bremen immer wieder an Grenzen. Das machten die Teilnehmer einer Diskussion am Donnerstag im Lagerhaus deutlich, zu der der Guineische Verein für Bildung und Integration und der Bremer Jugendring eingeladen hatten. „Viele junge Menschen aus Guinea wollen hier Ziele erreichen. Aber es gibt ein Stigma. In Bremen ist es ein offenes Geheimnis, dass Männer aus Guinea mit Drogen handeln“, sagte der Moderator der Veranstaltung, Daniel de Olano.

Dadurch gebe für die Jugendlichen zahlreiche Hindernisse im Alltag. „Es heißt, dass alle jungen Männer aus Guinea mit Drogen dealen. Die Gesellschaft differenziert nicht“, sagte der SPD-Politiker Elombo Bolayela, der selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen war. Diskriminierung sei für die Jugendlichen ein starkes Integrationshindernis. „Sie bekommen keinen Mietvertrag und leiden unter erschwerten Bedingungen, was ihren Aufenthalt anbelangt. Die Jugendlichen sitzen auf ihren gepackten Koffern“, sagte Sofia Leonidakis von den Linken. „Wenn die Flüchtlinge keinen Platz für ein Studium oder eine Ausbildung bekommen, können wir nicht von ihnen erwarten, dass sie sich integrieren“, meinte Sahhanim Görgü-Phillipp von den Grünen.

Mit Schuld an der täglichen Benachteiligung ist laut Leonidakis auch die Presse. „Über die Flüchtlinge aus Guinea wird pauschal berichtet. Die Jugendlichen haben ein Problem, nicht nur die Geschäftsleute, vor deren Läden mit Drogen gedealt wird.“ Ralf Michel, Polizeireporter beim WESER-KURIER, sieht das anders: „In den Zeitungsberichten wird differenziert berichtet. Uns interessiert sehr, warum die Jugendlichen kriminell werden. Aber es ist nicht immer einfach, an die Geschichte hinter der Geschichte zukommen.“

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darin, dass die jungen Flüchtlinge aus Guinea Perspektiven für ihr Leben in Bremen brauchen. „Welche Alternativen zum Drogendealen haben diese jungen Menschen? Wir müssen mehr Arbeitsplätze und Ausbildungsangebote schaffen“, sagte Bolayela. Der Integrationsbeauftragte der Bremer Polizei, Thomas Müller, berichtete, dass sich bei der Polizei einiges im Umgang mit Verdächtigen aus Afrika getan habe. „Wir gehen viel sensibler vor. Wir fragen uns, ob eine Kontrolle sich wirklich lohnt. Und wenn wir uns dafür entscheiden, muss es eine faire Kontrolle geben.“

Ein deutliches Signal forderte Claudia Niemann, Mitarbeiterin der Amtsvormundschaft im Amt für soziale Dienste, von der Ausländerbehörde. „Es hat klare Rückschritte gegeben, was die Genehmigung von Aufenthaltstiteln angeht“.

Ein Problem mit der Genehmigung von Aufenthaltsberechtigungen sieht Wilhelm Hinners von der CDU und pensionierter Polizist dagegen nicht so sehr. „In Bremen haben wir im Vergleich zu anderen Bundesländern einen liberalen Umgang mit Aufenthaltsgenehmigungen. Wir müssen vielmehr etwas gegen die Unsicherheit der Betroffenen tun. Die fragen sich doch, ob sich eine Integration in die Gesellschaft lohnt, wenn sie morgen vielleicht abgeschoben werden.“

SPD-Politiker Elombo Bolayela machte den Vorschlag, stärker mit Migrantenvereinen zusammenarbeiten, da diese die konkreten Probleme der Betroffenen kennen. Außerdem müssten gesellschaftliche Themen diskutiert werden. „Wir müssen uns fragen, woher die Drogen kommen, die am Steintor verkauft werden. Warum braucht eine Gesellschaft Drogen? Wir sollten weniger polarisieren, sondern den jungen Menschen eine Alternative zum Drogendealen bieten.“

Quelle: WK - 20.01.2017

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