Kulturzentrum Lagerhaus e.V. Bereich MIGRATION
Kulturzentrum Lagerhaus e.V. Bereich MIGRATION

Presse 2015

  • 16.12.2015: "Schrecken ohne Ende" - Weser Kurier
  • 03.12.2015: "Benefizkonzert für Flüchtlingskinder" - Weser Kurier
  • 19.11.2015: "Please give me the Schere" - Weser Kurier
  • 16.11.2015: "Vielfalt für Vielfältigkeit -MigrantInnentage im Lagerhaus" - Weser Kurier
  • 19.10.2015: "Ärger im Meer" - Weser Kurier
  • 14.10.2015: "Märchen für mehr Miteinander" - Die Norddeutsche
  • 21.09.2015: "Gastfamilien für Schüler aus Peru gesucht"  Weser Kurier
  • 14.09.2015: "Hilfe für Kinder und Frauen in der Karibik" - Weser Kurier
  • 20.08.2015: "Partner fürs Einleben" - Weserkurier
  • 04.05.2015: "Wie Migrantinnen die Politik verändern" - Weser Kurier
  • April 2015: Last but not least ... "Integrationstandem" - Mix
  • 05.03.2015: "Wenn Grenzen verwischen" - Weser Kurier
  • 05.03.2015: "Undogmatischer Gottesdienst" - Weser Kurier
  • 05.02.2015: "Spenden lindern die größte Not" - Weser Kurier
  • 19.01.2015: "Besser zu zweit durch Bremen" - Weser Kurier
  • 06.01.2015: "Bremer Spenden erreichen Nordirak" - Weser Kurier

Schrecken ohne Ende

Christian Hasemann

Ostertor. Es war schwer zu verdauen, was Professor Jan Ilhan Kizilhan im Lagerhaus zu berichten hatte. Der Nahostexperte und Traumatologe behandelt Opfer, die unter der Terrorherrschaft des Daesch im Irak und Syrien zu leiden hatten. Sein Vortrag auf Einladung des Vereins Komkar und des Migrationsbüros des Lagerhauses gehörte zum Programm der Migrantinnentage gegen Ausgrenzung.
Jeziden-Podiumsdiskussion Migrantinnentage Lagerhaus Schildstraße: Cindi Tuncel, Kamil Görgün, Prof. Jan Ilhan Kizilhan © Christian Hasemann
Über die Verbrechen der Daesch an den Jesiden und anderen Minderheiten berichtete der Traumatologe Jan Ilhan Kizilhan (rechts) im Podiumsgespräch mit Cindi Tuncer und Kamil Görgün im Lagerhaus Schildstraße. Der Abend gehörte zum Programm der Migrantinnentage gegen Ausgrenzung. (Christian Hasemann)

Mit jedem Massengrab in Sindschar, der von kurdischen Truppen im November befreiten jesidischen Stadt, wird das Ausmaß der Gräueltaten erkennbar. Die Überlebenden haben nicht nur ihre Angehörige und Freunde zu betrauern, sondern haben auch Furchtbares durchgemacht. Einigen der vielen Tausend Opfern kann das Team von Jan Ilhan Kizilhan in Deutschland helfen. „Zusammen mit dem Staatsministerium Baden-Württemberg und der UN werden wir bis Ende des Jahres über 1000 jesidische Frauen zur Behandlung und Betreuung nach Deutschland geholt haben“, sagt Kizilhan, der schon Opfer des Bosnienkriegs behandelt hat. Außer den Jesiden seien andere Minderheiten wie Feyli, Christen und Schiiten betroffen.

Bis Ende November habe das Team 811 Frauen nach Deutschland geholt und in verschiedenen Städten behandelt. „Dies ist ein Sonderkontingent, das bedeutet, sie bekommen für zwei Jahre einen Aufenthaltsstatus und die Behandlungskosten werden vollständig übernommen“, sagte der Professor im Podiumsgespräch mit Cindi Tuncel und Kamil Görgün.

Das ganze Ausmaß des Terrors wurde an einem Bild deutlich, das Jan Ilhan Kizilhan im Lagerhaus zeigte: Jesidische Frauen sind darauf auf einer Hochzeitsfeier zu sehen. „Das Dorf existiert jetzt nicht mehr“. sagte Kizilhan. Die Frauen auf dem Bild seien verschleppt, getötet oder verkauft worden. „Sie wurden entführt, missbraucht und vergewaltigt, und 413 Männer hat man gleich hingerichtet.“ Nur wenige hätten die Massenerschießung überlebt, versteckt unter den Leichen ihrer Nachbarn.

Jan Ilhan Kizilhan hatte im Irak auch Gelegenheit, mit gefangenen Daesch-Kämpfern zu sprechen. Ziel der Terroristen sei es, die Opfer zu entmenschlichen, gibt er seinen Eindruck wider. „Die Opfer werden zu Unmenschen gemacht.“ Die Täter verspürten kein Mitleid. „Sie wollen alte Werte und alle Moral bekämpfen, deswegen geht es uns alle an“, sagt Jan Ilhan Kizilhan. Die Frauen und Kinder seien in Hochburgen der Daesch wie Rakka verschleppt und dort verkauft worden. Einige konnten entkommen, einige wurden freigekauft. „Ich habe inzwischen 1400 Frauen untersucht, und eine Geschichte ist schlimmer als die andere“, sagte Kizilhan.

Besonders dramatisch für die Opfer: In der traditionellen jesidischen Gesellschaft ist sexueller Verkehr außerhalb der eigenen Gemeinschaft nicht gestattet – den Frauen droht der Verlust der Ehre bis hin zum Ausschluss aus der Religionsgemeinschaft. „Die Frauen schämen sich, und ich habe schon 20 Suizidversuche miterlebt“, sagte Jan Ilhan Kizilhan. Besonders erschütternd ist der geschilderte Fall einer 16-Jährigen. „Sie war in Gefangenschaft des IS und konnte flüchten. In einer Nacht bekam sie einen psychotischen Schub und dachte, der IS kommt, um sie zu holen.“ Das Mädchen habe sich daraufhin mit Benzin übergossen. „Sie sagte uns, dass sie hässlich sein wolle, damit man sie nicht holt.“ Andere versuchten, sich als Jungen zu verkleiden, oder wüschen sich nicht mehr. Kizilhan zitierte eine junge Frau: „Immer wenn uns gesagt wurde, wir sollen uns waschen, wussten wir, dass wir vergewaltigt werden sollten.“ Einige gingen soweit, sich mit Fäkalien zu beschmieren. Die Helferinnen und Helfer versuchen den Frauen wenigstens die Sorge vor einem Ausschluss aus der Gemeinschaft zu nehmen. „Wir bringen die Frauen zum heiligen Ort Lalish. Dort werden sie vom geistigen Führer der Jesiden, Baba Sheikh, geküsst und gesagt, dass sie weiter zur jesidischen Gemeinschaft gehören.“ Dies sei sehr wichtig für den therapeutischen Erfolg.

Die entführten Kinder werden von den Terroristen zum Morden abgerichtet. Schwer zu verdauen waren Szenen eines Videos, auf dem entführte Kinder vorgeführt werden. „Sie müssen bei Hinrichtungen dabei sein, werden an der Waffe ausgebildet und misshandelt.“ Am Ende stünden sie als Kanonenfutter in den ersten Reihen, um gegen ihre eigenen Leute zu kämpfen.

Das Leid hat noch kein Ende. „Sindschar ist befreit, aber das alleine reicht nicht.“ Es müsse alles neu aufgebaut werden, sagte Kizilhan, der auch für Autonomierechte innerhalb der kurdischen Autonomiegebiete plädiert. Sindschar sollte seiner Ansicht nach als Schutzzone eingerichtet werden. „Aber solange der IS in Mossul ist, wird keiner nach Sindschar zurückkehren“, davon ist Professor Jan Ilhan Kizilhan überzeugt. Von Mossul bis Sindschar sind es nur wenige Kilometer. Ein anderes Problem ist die zunehmende Kälte. „Viele Menschen werden den Winter in den Zeltcamps nicht überleben.“
Daesch

◼ Anstelle des Wortes Islamischer Staat (IS) verwendet der WESER-KURIER das Wort Daesch. „Daesch ist eigentlich nur die lautmalerische Abkürzung des gleichen irreführenden Namens, aber auf Arabisch. Doch hat er sich bei den Gegnern weltweit eingebürgert und wird im arabischen Sprachraum abwertend verwendet“, erläutert Chefredakteur Moritz Döbler die Entscheidung. Wörtliche Zitate erscheinen hier in ihrem Wortlaut.

Quelle:WK 17.11.15

Benefizkonzert für Flüchtlingskinder


Peter Dahm und Freunde, Vladi Wostock, Bukuria, Jehad Jazbeh und Amer Dahbar spielen bei Migrantinnentagen
VON BRITTA KLUTH

Ostertor.Ein Höhepunkt der 17. Migrantinnentage gegen Ausgrenzung, die das Kulturzentrum Lagerhaus Schildstraße gemeinsam mit Partnern ausrichtet, steht unmittelbar bevor: Am Nikolaustag, 6. Dezember, gibt es um 18 Uhr ein Benefizkonzert im Saal. „Wir konnten ganz unterschiedliche Musiker und Gruppen für die Veranstaltung gewinnen“, freut sich Recai Aytas vom Migrationsbüro des Lagerhauses. „Auf unsere Anfrage hin haben sich alle sofort bereit erklärt mitzumachen.“

Peter Dahm und Freunde, Vladi Wostock, das Quintett Bukuria und das syrische Duo Jehad Jazbeh und Amer Dahbar wollen mit Musik ein Zeichen setzen – und obendrein natürlich das Publikum mit ihrem Programm begeistern. Osman Engin hat einige Exemplare seiner Bücher beigesteuert, die während des Konzertes verkauft werden, und DJane Gülbahar Kültür 40 CDs. Alle Einnahmen sind für Kinder aus Übergangsheimen bestimmt. Auf dem Wunschzettel stehen wintertaugliche Sachen wie Mützen, Handschuhe und Schals.

„Ich freue mich, dass ich mit meiner Musik helfen kann“, sagt Peter Dahm. Ein Austausch der Kulturen sei für ihn als Musiker ohnehin wichtig. So arbeitet er zum Beispiel viel mit türkischen Kollegen zusammen und hat von Reisen schon viele Anregungen für eigene Kompositionen mitgebracht. Vor Kurzem hat der Hastedter gemeinsam mit Erdal Akkaya ein Konzert in Istanbul gegeben – nicht sein erstes in der Türkei. Im Lagerhaus spielen er, der Kontrabassist Ralf Stahn und ein paar „Bremer Saxen“ eine Mischung aus Weltmusik und Jazz, darunter Kompositionen aus Südafrika und der Türkei.

Einen Stilmix aus „Russenpower und Surfrock und „einer tanzbaren Mischung aus Pulp Fiction und Polka, Country und Gypsy“ verspricht das in Bremen beheimate Quartett Vladi Wostok. Seit zweieinhalb Jahren spielen der Sänger Vladislaw Mamedov, Tima Blues Junior alias Timo Schrader an der Gitarre, Moritz Zopf genannt Boris Bumkapov am Bass und Schlagzeuger Al Capitano alias Alex Möckel zusammen. Gründungsmitglied Vladislaw Mamedov kommt aus Nordossetien im Kaukasus und lebt seit sieben Jahren in Bremen. „Irgendwie haben wir aber alle eine Verbindung zu Russland“, sagt der Findorffer. Was die Musik von Vladi Wostok besonders mache, seien auch die kleinen Geschichten, die er auf der Bühne erzähle. Im nächsten Frühjahr erscheint bereits die dritte CD der Band, auf der hauptsächlich eigene Stücke versammelt sind.

Vom Kaukasus in den Balkan geht es mit Bukuria. Die zwei albanischen Muttersprachler des Quintetts geben den Ton an, denn gesungen wird größtenteils in ihrer Landessprache. „Zu unserem Repertoire gehört traditionelle Folklore aus Mazedonien, Albanien, Rumänien, Griechenland und der Türkei, darunter Hochzeits- und Liebeslieder sowie eigene Kompositionen“, erzählt Elke Rausch, die gemeinsam mit Besa Dervishi, deren Geigenschülerin sie war, und Susanne Meier die Gruppe 2007 gegründet hat. Die zwei weiteren Mitglieder Ibrahim Gunbardhi und Otto Meyer fanden sich schnell im Freundeskreis. Bestimmt wird die Musik durch Tapan und Rahmentrommel, die den Rhythmus vorgeben. Daneben kommen Violine, Klarinette, Darbukka und Akkordeon zum Einsatz.

Mit Jehad Jazbeh (Violine) aus Aleppo und Amer Dahbar (Percussion) aus Damaskus geht die Reise weiter nach Syrien. Einigen dürfte das Duo bereits bekannt sein: Beide sind Mitglied im Camellia Syrian Ensemble, das mit ihrem Programm aus traditioneller und zeitgenössischer Musik des Nahen Ostens und des arabischen Raums schon viele Anhänger gefunden hat. Vor ihrer Flucht 2013 haben die klassisch ausgebildeten Musiker im syrischen philharmonischen Orchester in Damaskus zusammengearbeitet. Jetzt leben beide in Bremen und wirken in verschiedenen Projekten mit.

 

Noch bis zum 19. Dezember laufen Veranstaltungen unter dem Motto „Asyl ist Menschenrecht! Refugees welcome!“, darunter Lesungen, Konzerte, Diskussionen und eine Fotoausstellung. Am Mittwoch, 16. Dezember, stellt sich um 18 Uhr der Guineische Verein für Integration und Bildung und Deutschland vor, der sich seit dem Sommer regelmäßig trifft. „Der Verein wurde im Juli von engagierten, jungen Menschen aus Guinea Conakry gegründet unter anderem mit dem Ziel, ihre Landleute zu unterstützen“, berichtet Eusevia Torrico vom Migrationsbereich des Kulturzentrums Lagerhaus. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Recai Aytas hat sie die Migrantinnentage organisiert.

Erinnern möchten die beiden noch mal an die Versteigerung der zwei Wandteppichen aus dem Patchwork-Projekt „Willkommen in Bremen“, das die Künstlerin Margarita Escribano angeleitet hat (wir berichteten). Wer eines der beiden Unikate erwerben möchte, hat dazu bis Mittwoch, 20. Dezember, Gelegenheit. Um 12 Uhr schließt die Auktion am letzten Tag. Die farbenfrohen Wandteppiche sind von den Bewohnerinnen und Bewohnern zweier Übergangswohnheime in Arbergen und Hulsberg (Klinikum Mitte) gefertigt worden, denen der Erlös der Auktion zukommen soll.

Migrantinnentage: Das Benefizkonzert ist am Sonntag, 6. Dezember, um 18 Uhr im Saal des Kulturzentrums Lagerhaus, Schildstraße 12-19. Der Eintritt kostet zehn Euro, ermäßigt fünf. Abendkasse und Einlass ab 17.30 Uhr. Reservierung möglich unter Telefon 701000 20. Das komplette Programm der Migrantinnentage sowie die Versteigerung der Wandteppiche findet man auf www.migration-bremen.de.

Quelle: Wesekurier / 03.12.15

„Please give me the Schere“


An den Migrantinnentagen im Lagerhaus wird ein Patchworkprojekt vorgestellt

VON BRITTA KLUTH

Altstadt.„Es gibt viel zu wenig Freizeitangebote in den Übergangswohnheimen“, sagt Recai Aytas, der als Migrationsreferent im Kulturzentrum Lagerhaus Schildstraße arbeitet. Gemeinsam mit seiner Kollegin Eusevia Torrico hat er, wie berichtet, das Programm der Migrantinnentage zusammengestellt. Auch die chilenische Filmemacherin und Künstlerin Margarita Escribano beteiligt sich.

Das Patchwork-Projekt „Willkommen in Bremen“ wird vorgestellt. Mit Nadel und Faden, bunten Stoffen und viel Spaß waren Bewohnerinnen und Bewohner zweier Übergangswohnheime kreativ. Das Ergebnis, zwei handgefertigte Wandteppiche, präsentiert Margarita Escribano am Sonntag, 29. November, um 15 Uhr in der dritten Etage des Lagerhauses Schildstraße. Dazu zeigt sie Fotos und Dokumentationen, die sie während der Arbeit gemacht hat. Eingeladen sind auch alle Teilnehmerinnen des Projekts.

„Der Workshop richtete sich ursprünglich an weibliche Flüchtlinge ab 16 Jahren“, erzählt Margarita Escribano. „Letztendlich haben aber auch Kinder, junge Mädchen und sogar Männer mitgemacht. Einige waren sehr geschickt im Umgang mit der Nadel, andere mussten es erst noch lernen.“ Die Künstlerin, die seit 2006 in Bremen lebt und in Sebaldsbrück wohnt, wollte vor allem mit anderen gemeinsam etwas produzieren. Anfang September startete das Projekt, das von der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport gefördert wird. Einmal in der Woche ging Margarita Escribano, mit Nähutensilien und Stoffen beladen, in jedes der Übergangswohnheime – einem in Arbergen und dem zweiten auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Mitte am Hulsberg. Und traf auf große Herzlichkeit.

„Besonders die Kinder liefen gleich auf mich zu, wenn ich kam“, erzählt sie, und Eusevia Torrico fügt hinzu: „Die Leute sehnen sich nach einer Beschäftigung und nach einem Austausch mit anderen. Im Rahmen des Workshops konnten sie etwas Sinnvolles machen und gleichzeitig in Kontakt mit der deutschen Sprache kommen.“ Und der war rege. „Wir haben Sprachen gemischt und mit Gesten kommuniziert. Sätze, wie ,Please give me the Schere’ waren keine Seltenheit“, sagt Margarita Escribano lachend. „Manchmal haben wir auf Übersetzer aus der Gruppe zurückgreifen können. Und wenn alles nichts half, habe ich gezeichnet, was ich sagen wollte.“ So haben die Beteiligten ganz nebenbei Sprachkenntnisse gesammelt oder vertieft, aber auch Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Aus vielen kleinen Stoffteilen sind zwei schöne, farbenfrohe Wandteppiche entstanden. Die beiden Unikate werden jetzt im Internet zugunsten der Flüchtlinge versteigert. Über das Internet können bis zum 20. Dezember Gebote abgegeben werden. Die Auktion endet um 12 Uhr mittags. Der Erlös geht an die Übergangswohnheime in Arbergen und am Klinikum Mitte. „Die Leitung der Wohnheime weiß am besten, was die Menschen gerade benötigen“, sagt Recai Aytas. Aus den Flüchtlingswohnheimen kommt auch gleich ein Vorschlag, was die Käufer mit den Wandteppichen machen könnten. Eine Leiterin habe vorgeschlagen, sie den Übergangswohnheimen zu spenden, sagt Eusevia Torrico. Damit endlich ein bisschen Farbe an die Wände komme.

„Asyl ist Menschenrecht! Refugees welcome!“ ist das Motto der Migrantinnentage gegen Ausgrenzung. Eindrücke von Fluchtursachen, Fluchtwegen und die Situation von Flüchtlingen vermittelt die Wanderausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ von Pro Asyl und Amnesty International Bremen, die vom 4. bis 31. Dezember im Kafé Lagerhaus zu sehen ist. Bis zur Vernissage läuft noch die Ausstellung „Share the Move“ an der sich unter anderem Flüchtlinge beteiligt haben.

Auf www.migration-bremen.de können unter dem Menüpunkt Patchwork-Versteigerung bis zum 20. Dezember Gebote abgegeben werden. Die Präsentation des Projekts „Willkommen in Bremen“ ist am Sonntag, 29. November, um 15 Uhr im Lagerhaus, Schildstraße 12-19. Die Migrantinnentage gegen Ausgrenzung laufen bis zum 19. Dezember. Der Journalist Ismail Küpeli stellt, wie berichtet, sein Buch über den Kampf um Kobane am Sonntag, 22. November, um 18 Uhr im Lagerhaus vor. Das komplette Programm steht auf www.migration-bremen.de.

Quelle: WK / 19.11.15

 

Vielfalt für Vielfältigkeit


Migrantinnentage im Lagerhaus

VON CHRISTIAN HASEMANN

Ostertor.Mit dem Schwerpunkt „Refugees Welcome – Asyl ist Menschenrecht“ (Flüchtlinge Willkommen) starten die „17. Migrantinnentage gegen Ausgrenzung“ im Kulturzentrum Lagerhaus Bremen in der Schildstraße am Freitag, 20. November, mit einem bunten Programm mit aktuellen Bezügen. Das Migrationsbüro des Lagerhaus wird als Veranstalter unterstützt von Partnern aus Politik, Nicht-Regierungs-Organisationen und Wirtschaft.

„Wir versuchen uns über bestimmte Themen vertiefend auszutauschen und zu diskutieren“, sagt Recai Aytas, einer der Projektverantwortlichen. Es sollen Begegnungen zustande kommen, denn „wir haben in den letzten Monaten einen großen Hass der rechtspopulistischen Parteien und sogenannten Bürgerbewegungen gesehen, der zum Beispiel auf sozialen Netzwerken geschürt wird“. Er habe gedacht, brennende Flüchtlingsheime werde es in Deutschland nicht mehr geben, aber die Zahl der Attacken sei erheblich gestiegen. Das Bundesinnenministerium hat allein bis Juni 2015 etwa 150 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte gezählt.

Genährt werde der Hass unter anderem auch durch Unwissenheit, meint Recai Aytas, der die Verunsicherung auch in Bremen spürt. „In einer kleine Runde habe ich gehört, dass Eltern Angst haben, dass Flüchtlingskinder Krankheiten in die Schule mitbringen.“ Solche Ängste würden sehr schnell weiterverbreitet und befeuerten Vorurteile.

Die Migrantinnentage setzen mit einer Mischung aus Information, Benefizkonzerten und Ausstellungen auf Verständigung. Bis zum 3. Dezember läuft noch die Ausstellung „Share the Move“ im Kafé Lagerhaus. Es werden Handybilder und Handyvideos von Flüchtlingen gezeigt. Im Dezember folgt dann die Foto-Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ von Pro Asyl und Amnesty International Bremen.

Wovor die Menschen fliehen, zeigt sich am Beispiel der syrischen Stadt Kobane, die bei den Kämpfen zwischen kurdischen Milizen und dem Islamischen Staat zu 80 Prozent zerstört worden ist. Flucht war letztlich die einzige Option der Bewohnerinnen und Bewohner. Der Journalist Ismail Küpeli hat über den Kampf um Kobane ein Buch geschrieben, das er am Sonntag, 22. November, um 18 Uhr im Lagerhaus vorstellen wird.

Flüchtlinge aus Syrien und Kobane haben in Bremen einen Zufluchtsort gefunden – auch für das Lagerhaus eine Herausforderung. „Wir haben durchschnittlich 200 Flüchtlinge im Haus und haben inzwischen mehrere Gruppen organisiert“, sagt Recai Aytas. Es gibt eine Fußballgruppe für Jugendliche, es werden Deutschkurse organisiert, und es laufen Diskussionsrunden mit Schülerinnen und Schülern. Die Künstlerin Margarita Escribano hat gemeinsam mit Frauen in Flüchtlingswohnheimen Wandteppiche geknüpft. Die Unikate werden am Sonntag, 29. November, um 15 Uhr im Lagerhaus präsentiert und versteigert. Das Geld soll den Übergangswohnheimen gespendet werden. Mehr darüber in einer der nächsten Ausgaben.

Für Freitag, 27. November, ist ein Benefizkonzert für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit dem Duo NIO und der Musikband Groove Gardarobe geplant. Organisiert wird es in Zusammenarbeit mit dem Verein Fluchtraum Bremen. Die Eintrittsgelder sollen als Spende für die Ausbildung von ehrenamtlichen Vormündern für unbegleitete Flüchtlinge genutzt werden.

Mehr in einer der nächsten Ausgaben. Das vollständige Programm der Migrantinnentage steht auf www.migration-bremen.de.


Quelle: WK / 16.11.15

Ärger im Meer


Fisch, Auster, Krebs, Seeigel und Kröte begeistern die Schüler der Ganztagsschule Andernacher Straße

VON EDWIN PLATT

Osterholz.

„Wenn ihr die Bucht verlasst, verliert ihr euer Leben“, blafft der Fisch die Auster, den Seeigel, die Meeresschildkröte und auch den Krebs an. „Nur ich kann zu den Kunden schwimmen. Ohne mich seid ihr verloren“, schüchtert der Fisch weiter die Meeresbewohner der Bucht in der Ägäis ein, die für ihn Algenteppiche weben sollen und ihm dabei nicht fleißig genug erscheinen.

Etwa hundert Kinder sitzen in der Eingangshalle der Ganztagsschule Andernacher Straße und starren gebannt auf die Szene des Theaterstücks „Die Perle der Ägäis“, das die Berliner Theatergruppe Tiyatrom in Bremen an fünf Schulen insgesamt zehn Mal aufführt. Eingeladen hat die Theatergruppe der Bereich Migration des Kulturzentrums Lagerhaus. Seit 18 Jahren besteht der Verbund für Kindertheaterprojekte. Das Kulturzentrum Lagerhaus arbeitet dabei mit dem Referat Integrationspolitik der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport zusammen.

Jedes Jahr wird nach sorgfältiger Recherche ein neues Theaterstück ausgewählt, Theater in verschiedenen Städten werden für das ausgewählte Stück für Aufführungen angefragt. Den Theatern, es könnten auch Bremer sein, obliegt dann die Kostümierung und die Dekoration. Kinder können so Jahr um Jahr fremde Regionen, Kulturen und deren Geschichten und Märchen kennenlernen.

Auster, Schildkröte, Seeigel und Krebs, die immer gute Freunde waren und viel Zeit miteinander verbrachten, geraten in Stress, sie würgen Gespräche ab. „Später, ich muss arbeiten“, sagen sie. Doch der Krebs, der den Kindern unter viel Gelächter erklärte, dass er zwar schräg, aber immer geradeaus laufe, und der zur Faulheit neigt, sucht seine Zukunft in einer geheimen und den Meerestieren gegenüber hinterhältigen Freundschaft zum Fisch. Er verrät den geheimen Plan der Freunde, einen eigenen Algenteppich zu weben, als Geschenk für Gastgeber in Bremen, zu denen sie eingeladen wurden.

Jährlich erreichen die Kindertheateraufführungen laut Nazim Tursun-Keykan, vom Sozialressort, Recai Aytas und Eusevia Torrico vom Lagerhaus in Bremen 1200 bis 1600 Kinder. Da die Theaterstücke für junge Kinder sind, besteht auch für Kindertageseinrichtungen nach Absprache die Möglichkeit, Schulaufführungen in der Nähe mit anzusehen.

Die Planungen beginnen mit der Sichtung von Theaterstücken bereits früh im Jahr. Später werden Aufführungsbewerbungen der Schulen gesichtet. Für die Ganztagsschule Andernacher Straße ist es die zweite Teilnahme. Auch Kitas können sich zentral beim Lagerhaus im Migrationsbüro anmelden. Die Aufführungen finden montags bis freitags an Vormittagen statt. Unterstützt werden die Theaterprojekte auch von der Bremer Sparkasse und örtlich von Beiräten. „Wir brauchen vor allem verlässliche Ansprechpartner“, betont Recai Aytas, der sich an einen Aufführungstermin erinnert, der nach allen Vorbereitungen und nach der Anreise der Theatertruppe platzte, weil eine Rektorin in den Ruhestand gegangen war und die Nachfolge uninformiert und unvorbereitet war.

Die Auster plagen Bauchschmerzen, doch sie will die Freunde bei der Algenteppichproduktion weiter unterstützen. Die Bauchschmerzen werden schlimmer, bis sie jemanden ins Vertrauen ziehen will. Wenn Freunde das erfahren, werden die für sie mitarbeiten, obwohl sie an ihrer Belastungsgrenze arbeiten, vermutet die silberweiße Schönheit und wendet sich vorsichtig an den Fisch. Der Fisch umgarnt die Auster liebevoll und voller Hinterhalt: „Du hast eine ganz schlimme ansteckende Krankheit. Sag es bloß nicht deinen Freunden. Schließe deine Schalen und vermeide jeden Kontakt. Ich bringe dir zu essen, damit du wieder stark wirst.“

Der Fisch ahnt es und der Krebs kann es bald sehen: Die Auster bekommt eine Perle, und die könnte Fisch und Krebs mit ihrem Glanz blenden, sodass sie wehrlos wären, und die Perle wäre so wertvoll, dass alle Freunde nicht mehr arbeiten müssten. „Vorsicht, der Fisch kommt“, schreien die Kinder. Sie fiebern mit, sie wollen Schlechtes für die Freunde natürlich verhindern. Als der Seeigel von der Perle in der Auster erfährt, wendet er sich an die alte weise Seeschildkröte. „Eine Perle, welch ein Glück“, sagt die Schildkröte zur Auster, die sich als ansteckend und todeskrank wähnt, und klärt die Auster auf. Ein Glück, dass alles gut ausging und die Freunde nun nach Bremen können.

Quelle: WK / 19.10.2015

Märchen für mehr Miteinander


Theater Tiyatrom spielt an der Tami-Oelfken-Schule

VON DORIS FRIEDRICHS

Lüssum.

Integration sollte im Kindesalter beginnen. So sehen es die Verantwortlichen im Kulturzentrum Lagerhaus. Bereits zum 18. Mal haben sie deshalb eine interkulturelle Kindertheaterwoche organisiert. Die machte auch in diesem Jahr Station in Bremen-Nord. Mit dem Stück „Die Perle der Ägäis“ war das Türkische Theater Berlin „Tiyatrom“ zu Gast in der Tami-Oelfken-Schule.

Der Inhalt des Stückes: Laut einer Freundschaftsvereinbarung haben die Bewohner der Nordsee und der Ägäis erklärt, gemeinsam in Frieden glücklich zu leben. Aber Papier ist geduldig – und die Praxis oft gar nicht so einfach. Die Auster hat starke Bauchschmerzen, Seepferdchen und Meeresschildkröte stehen ihr zur Seite.

Der Grund für die Beschwerden: Die Auster entwickelt eine große Perle, von der sie nicht weiß, was sie da zum Vorschein bringt – und was am allermeisten der Fisch fürchtet. Denn die Perle könnte die Wege der Meeresbewohner erleuchten, sodass die ihre Waren selbst und nicht mithilfe des bösen Fisches verkaufen könnten. Der Krebs hingegen kann sich nicht so recht entscheiden, auf wessen Seite er steht – bis seine drei Freunde siegen und den Abweichler wieder in ihre Mitte aufnehmen.

„Die Perle der Ägäis“ ist eine Geschichte von Freundschaft und Solidarität. Die Botschaft ist den Kindern der Tami-Oelfken-Schule und des Kindergartens am Neuenkirchener Weg in zwei Vorstellungen auf spannende und witzige Art und Weise vermittelt worden. Die Kinder wiederum begleiteten die Aufführungen mit vielen fröhlichen Zwischenrufen, mit viel Lachen und ordentlich Beifall.

„Die Perle der Ägäis“ ist nach Auskunft von Eusevia Torrico vom Kulturzentrum Lagerhaus ein vom „Tiyatrom“-Ensemble entwickeltes, etwa 40-minütiges Stück. Je früher die Integrationsarbeit ansetze, desto größer sei der Erfolg, Fremdenfeindlichkeit entgegenzuwirken, so die gebürtige Peruanerin weiter. Dabei helfe es, die Märchengeschichten anderer Kulturen aktiv zu erleben. In den vergangenen Jahren traten die Schauspieler unter anderem mit „Aladin und die Wunderlampe“, „Das kleine Seepferdchen“ und „Die Grille und die Ameise“ in Bremen-Nord auf.

Die Schulen würden danach ausgesucht, wie hoch der Migrationsanteil der Schüler sei, erklärte Eusevia Torrico. Die Tami-Oelfken-Schule war jetzt die erste in Bremen, an der das Stück aufgeführt wurde und gab damit den Startschuss für die Interkulturelle Theaterwoche. Insgesamt gibt es zehn Aufführungen.

Unterstützt wird das Projekt von der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport sowie von verschiedenen Ortsämtern. Aus Blumenthal sei diesmal kein Geld geflossen, so Eusevia Torrico. Die Kinder zahlten für das Gastspiel jeweils einen Euro.

Quelle: Die Norddeutsche / 14.10.15

Gastfamilien für Schüler aus Peru gesucht


Informationsabend am Donnerstag im Kulturzentrum Lagerhaus / Jugendliche kommen im Januar 2016 nach Bremen

VON EDWIN PLATT

Ostertor. Im Januar und Februar nächsten Jahres kommen 60 peruanische Austauschschüler im Alter zwischen 14 und 17 Jahren nach Bremen, um mit deutschen Gleichaltrigen in deren Familien zu leben und die deutsche Kultur- und Schullandschaft über Gastfamilien kennenzulernen. Deutsche Austauschschüler sind bereits vom Gegenbesuch aus Peru zurückgekehrt.

Für die Begegnung werden noch Gastfamilien gesucht. Dazu wird am Donnerstag, 24. September, 19 Uhr, ein Informationsabend im Lagerhaus Schildstraße angeboten. Informieren werden bei dieser Veranstaltung Gabriele Böhme, die Koordinatorin für Centro de Amistad Peruano-Alemán (CAPA) Norddeutschland und gleichzeitig zweite Vorsitzende von CAPA Deutschland, eine Bremer Gastmutter mit Erfahrungen in der Unterbringung peruanischer Schüler sowie Bremer Schüler, die zum Austausch in Peru waren und bei peruanischen Familien lebten.

Der deutsch-peruanische CAPA-Schüleraustausch besteht seit 30 Jahren. Gabriele Böhme und ihre CAPA-Kollegen freuen sich immer wieder auf interessante Erfahrungsberichte und bauen darauf, noch mehr Familien den Schüleraustausch mit Peru bei der Informationsveranstaltung näherzubringen. Carlos und Hilde Noeding, Vorsitzende von CAPA, erhielten einst von Bundespräsident Johannes Rau das Bundesverdienstkreuz für die Förderung der deutsch-peruanischen Freundschaft verliehen.

Die in Bremen erwarteten peruanischen Schüler verbringen ihre Sommerferien, die in Peru in der Zeit von Anfang Januar bis Anfang März liegen, in Deutschland, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Deutsch ist ihre erste Fremdsprache an den Heimatschulen. Gabriele Böhme berichtet: „Bisher gibt es 50 Anmeldungen für den nächsten Austausch von Deutschland nach Peru, davon vier aus Bremen. Es gibt noch freie Plätze, Anmeldungen sind im September noch möglich.“

Anmeldungen sind nicht an eine gegenseitige Verpflichtung gekoppelt, sodass die Familien von Schülern, die nach Peru gehen, nicht automatisch Gastschüler aufnehmen müssen. „Flüge gibt es ab etwa 1000 Euro“, berichtet Böhme. Unterkunft und Verpflegung in den Gastfamilien seien frei. Schulbesuch gehöre dazu, und Taschengeld und Versicherungsbeiträge sind von den Kindeseltern aufzubringen.

Gabriele Böhme, die in der Neustadt wohnt, ist in Lima als Tochter deutscher Eltern aufgewachsen. Böhmes gute Kontakte nach Peru blieben bis heute bestehen. Vor drei Jahren ist die ehemalige Verwaltungsangestellte aus dem aktiven Berufsleben ausgeschieden und hat sich umgehend bei CAPA engagiert. „Seither fahre ich spätestens alle zwei Jahre nach Peru und bleibe dann für zwei bis drei Monate in Lima. Ich habe dort mein zweites Domizil.“

Gabriele Böhme schätzt besonders die Aufgeschlossenheit und Gastfreundschaft der Peruaner, aber am Land auch „die ganz andere Kultur“ und die frühzeitlichen Denkmale. Sie bietet über CAPA alle Informationen zum Schüleraustausch, zu den Bedingungen, Eltern- und Angehörigenabende sowie Gespräche bei Problemen immer gleichsam für Schüler und Eltern an. Außerdem hilft sie bei der Kontaktpflege zwischen den Familien, bietet Kofferchecklisten und Abschlussabende.

Die CAPA-Austauschangebote ermöglichen durch ihre Kürze einen unterbrechungsfreien Schulbesuch, vor allem aber einen wechselseitigen Austausch mit einer spannenden, sehr andersartigen Kultur.

Der Informationsabend zum Schüleraustausch mit Peru ist am Donnerstag, 24. September, um 19 Uhr in der dritten Etage im Lagerhaus, Schildstraße 12–19. Um Um Anmeldung wird gebeten per E-Mail an Boehme.capa@gmail.com.

Quelle: WK / 21.09.2015

Hilfe für Kinder und Frauen in der Karibik


Kulturzentrum Lagerhaus lädt zu Infoabend über Projekte in der Dominikanischen Republik ein

VON LIANE JANZ

Ostertor.

Mit kleinen Treffen im Stadtpark von San Cristóbal fing alles an. Fast 20 Jahre später organisiert die Nichtregierungsorganisation (NGO) Fundebmuni Hilfen für Kinder und Frauen in der Dominikanischen Republik professionell.

Bei einem ersten Infoabend im Sommer in der Migrationsabteilung des Kulturzentrums Lagerhaus, Schildstraße 12-19, wurde die NGO vorgestellt. Nun folgt der zweite Teil, in dem es um Prävention und Schutz vor Gewalt gehen soll. Am Donnerstag, 17. September, um 19 Uhr stellt Gründerin Rosanna Estenislao Plumeyer die Organisation und ihre Präventivarbeit im Lagerhaus vor. Der Eintritt ist frei. Eine Spendenbox wird aufgestellt.

Das Wort Fundebmuni setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der spanischen Entsprechung für „Organisation für die Entwicklung und das Wohlergehen von Frau und Kind“ zusammen. Mit ihren Projekten beispielsweise für Bildung, Gesundheit und gegen Gewalt an Kindern und Kinderarbeit richtet sich die Organisation vor allem an Kinder und Jugendliche von sieben bis 17 Jahre, die in der Karibik extremer Armut leben, Kinderarbeit ausüben müssen, ihre Eltern verloren oder keinen Zugang zu Schulunterricht haben.

Sofern die Kinder noch Mütter haben, werden diese in die Projekte miteinbezogen, indem sie beispielsweise den Zugang zu einer Ausbildung oder Gesundheits- sowie psychologische Beratung erhalten.

Außerdem soll die Bevölkerung des Landes mit kulturellen Angeboten wie Lesungen und Theateraufführungen auf das Schicksal der Menschen am Rande der Gesellschaft aufmerksam gemacht werden. Einige Projekte, die dazu beitragen sollen, stellt Fundebmuni auf seiner Webseite im Internet vor. Unter anderem richtete die Organisation in den Provinzen Elias Piña und San Juan vier Vorschulen ein. Für Frauen wurden 2011 in San Juan und Azua zwei Bäckereien eröffnet, in denen sie ausgebildet werden. Mit Hilfe der Ausbildung haben die Frauen nun ein eigenes Einkommen und wurden unabhängig. Andere Projekte sollen Kinder, Jugendliche und Frauen für den Umweltschutz sensibilisieren. Durch Sport- und Schulfeste, Hausbesuche und Bildungsangebote werden zudem Lehrer, Eltern und Erzieher über Kinderrechte informiert und darin geschult, der Gewalt gegen Kinder vorzubeugen. Auch Aids und andere Gesundheitsrisiken sind Projektthemen.

Die Fundebmuni-Gründerin Rosanna Estenislao Plumeyer lebt seit drei Jahren im Ostertor. Sie engagiert sich seit 29 Jahren in gemeinnützigen Organisationen und will jenen helfen, die in ihrem Geburtsland, der Dominikanischen Republik, nicht beachtet werden. Sie war eine derjenigen, die vor rund 20 Jahren damit begann, Kinder auf den Straßen San Cristóbals anzusprechen und sie zu Treffen im Stadtpark einzuladen. 1997 wurde schließlich Fundebmuni gegründet. Inzwischen ist die Organisation auch in anderen Städten der Dominikanischen Republik aktiv. Bis 2013 wurde Fundebmuni vom dominikanischen Staat und einer spanischen Organisation unterstützt. Als Folge der Wirtschaftskrise wurden diese Hilfen jedoch eingestellt.

Bei dem Infoabend im Lagerhaus wird unter anderem eine Dokumentation über diese Hilfe gezeigt, teilt Anna Taube mit. Sie ist die zweite Referentin des Infoabends. Die Studentin stellt die Bremer Sparte des Vereins Zusammenwachsen vor. Der Verein wurde im vergangenen Jahr von ehemaligen Freiwilligen in Stuttgart gegründet, um Nichtregierungsorganisationen wie Fundebmuni zu unterstützen. Anna Taube absolvierte selbst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei Fundebmuni und lernte so die Lebensrealität der Menschen in der Dominikanischen Republik kennen.

Nähere Informationen zum Infoabend gibt es auf www.migration-bremen.de. Details zu Fundebmuni und ihren Projekten sind – auch auf Deutsch – auf www.fundebmuni.org zu finden.

Quelle: WK / 14.09.15

Partner fürs Einleben

Im Kulturzentrum Lagerhaus werden aus Neuen und Einheimischen Integrationstandems

VON CHRISTIANE TIETJEN

Ostertor. Shirin T. ist schon bald Teil eines Tandems. Der Gedanke daran macht sie glücklich. Und auch Projektleiterin Renate Beck aus dem Lagerhaus Schildstraße ist froh, dass das Gespräch so gut gelaufen ist. Manche der Bremer Integrations-Tandems (BIT) aus Neuen und Alteingesessenen haben keine gemeinsame Sprache und lernen dabei einiges von einander, zum Beispiel auch Deutsch und Farsi, der persischen Sprache.

Marjam und Kemal (Namen geändert) aus der Vahr haben bereits seit fast zwei Jahren ein für sie passendes Tandempaar gefunden. Anette Himmelskamp, Konrektorin und Deutschlehrerin in der Schule an der Kantstraße, hat in einem Wochenendseminar für interkulturelle Kommunikation Renate Beck kennengelernt und das Tandemprogramm, kurz BIT genannt, und kam daraufhin zu einem ersten Treffen ins Lagerhaus, wo Marjam einen Sprachkurs machte. Bei einem zweiten Treffen in der evangelischen Friedensgemeinde in Schwachhausen kamen die beiden Paare zusammen. „Wir waren uns sofort sympathisch“, sagt Peter Schumacher-Himmelskamp. „Seitdem haben wir schon viel zusammen gemacht.“ Marjam war überrascht, mit welcher Offenheit sie und ihr Mann bald in das Haus der Himmelskamps eingeladen wurden. Ein Gegenbesuch in der Vahr schloss sich an, Fahrradtouren zum Behlingsee und zum Moorexpress, Brombeeren pflücken und einkochen. „Essen ist bei uns ein zentrales Thema“, sagt Anette Himmelkamp, „nur das Fladenbrot bekomme ich noch nicht so richtig hin.“ Marjam lacht und sagt, das passiere ihr aber auch manchmal. Peter Schumacher-Himmelbach ergänzt: „Von Aash (ein mit vielen Kräutern gewürztes Gericht aus Hülsenfrüchten) bis Labskaus ist bei uns alles drin, nur Schweinefleisch ist tabu!“
Marjam kommt aus dem Iran, sie war dort für die Öffentlichkeitsarbeit bei einer Zeitschrift für traditionelle Kunst zuständig. Vor 13 Jahren lernte sie den in Afghanistan geborenen Kemal kennen, der Politikwissenschaft studierte. Als Kemal in den USA arbeitete und später im sächsischen Erfurt seine Masterarbeit verfasste, hatten die beiden das, was man eine Fernbeziehung nennt. Kemal kehrte zurück, wurde aber wegen des sharia-kritischen Inhalts seiner Masterarbeit bedroht. Das brachte die beiden dazu, als politische Flüchtlinge nach Deutschland zu kommen. „Seit einer Woche hat Kemal einen Job“, erzählt Marjam, die anonym bleiben möchte. „Er arbeitet mit Flüchtlingen.“ Eine standesamtliche Hochzeit ist den beiden verwehrt, vorerst haben sie diese durch eine religiöse Zeremonie in einer Moschee ersetzt.
Das Zusammensein mit den Himmelskamps macht aber vieles wieder wett. „Das Konzert zur Saisoneröffnung in der Glocke, der Tag der offenen Tür im Theater, La Strada, die Fußball- WM beim Public Viewing in der Friedensgemeinde, das sind Sachen, die wir gemeinsam machen und die nichts kosten“, sagt Anette Himmelskamp. Sie und ihr Mann sind ganz erfinderisch geworden im Suchen solcher Ereignisse. „Gut wäre, das alles mal in einem Kalender zusammenzufassen. In anderen Städten gibt es das schon.“
Das Besondere an dem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Bremer Integrationsprojekt BIT ist, dass es auf einem gegenseitigen Austausch beruht. „Bei den Tandems, die sich bilden, gibt es auf beiden Seiten Kompetenzen zum gegenseitigen Nutzen“, sagt Renate Beck. Die zugewanderten Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen überwiegend aus den Deutschkursen im Kulturzentrum Lagerhaus. Darunter viele junge Männer aus Syrien, Afghanistan und dem Iran.
„Dort hat sich die positive Wirkung der Tandemkonstellation zwischenzeitlich herumgesprochen und fast täglich kommen neue Anfragen nach einem deutschen Tandempartner oder einer -partnerin. Wir suchen deshalb dringend Bremerinnen und Bremer, die sich auf das Abenteuer und die erlebnisreichen Begegnungen in einem interkulturellen Tandem einlassen wollen.“ Die Häufigkeit und die Art der Begegnungen
seien individuell verschieden und ganz den Teilnehmern überlassen, sagt Renate
Beck. Offene Treffen sind einmal im Monat am Nachmittag und frühen Abend im Kulturzentrum Lagerhaus. Außerdem wird, ebenfalls einmal monatlich, ein Ausflug angeboten zu ökologischen Themen: zu einer ökologischen Lebensgemeinschaft, auf
einen Bio-Bauernhof oder ins Klimahaus in Bremerhaven etwa. Dieses Angebot ist
eine gute Möglichkeit, einander kennenzulernen, und für die Zugewanderten ist es
eine Gelegenheit, das Deutschsprechen zu üben.
Ansprechpartnerin ist Renate Beck, Lagerhaus, Schildstraße 12 -19, Telefon 70100034, E-Mail: r.beck@bit-bremen.de.

Quelle: 20.08.2015 / WK

Wie Migrantinnen die Politik verändern

 

VON EDWIN PLATT
Ostertor. Wie Migrantinnen die Politik verändern – darum geht es in einer Podiumsdiskussion im Lagerhaus Schildstraße. Valentina Tuchel und Ruken Aytas von der SPD, Zahra Mohammadzadeh und Sülmez Dogan von den Grünen stellen sich am Dienstag, 5. Mai, ab 19 Uhr Fragen zum Thema „Gleichberechtigung“ – sei es zu Zwangsverheiratung oder Kopftuch, sei es zur aktuellen Flüchtlingssituation oder zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen oder Studien aus Herkunftsländern.
Fatos Atali-Timmer, Diplom-Pädagogin von der türkischen Schwarzmeerküste, moderiert die Podiumsdiskussion. Die Wahlbremerin arbeitet in der Erwachsenenbildung mit den Schwerpunkten Sprachförderung und Arbeitsmarktqualifizierung für Flüchtlinge und Migranten. Veranstalter ist das Migrationsbüro des Lagerhauses.
Valentina Tuchel gehört dem Vorstand des SPD-Ortsvereins Neue Vahr an, war im Beirat Vahr. Seit 2011 ist sie Bürgerschaftsmitglied im Haushalts- und Finanzausschuss und in Ausschüssen für Bürgerbeteiligung und bürgerschaftliches Engagement, für Integration und Gleichstellung. Die integrationspolitische Sprecherin ihrer Partei hat die Schule der Kleinstadt Jemwa in der Sowjetunion besucht, Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Pädagogik und slawische Philologie an der Universität Syktywkar in Nordwestrussland studiert. Ein Studium der Interkulturellen Pädagogik und Literaturwissenschaft hat sie an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg mit dem Magister abgeschlossen. Bis 2004 studierte sie zudem Soziologie, Philosophie und Romanistik in Bremen. Seit 1999 ist sie Sozialpädagogin im Fachdienst Migration, sie hat zwei Kinder und ist verheiratet.
Ruken Aytas, 1967 in der Türkei geboren, ist in Bremerhaven auf die Grundschule gegangen, dann auf eine Mittelschule in Ankara und später auf die Gesamtschule Ost (GSO) in Bremen. 1988 machte sie ihr Abitur und studierte anschließend Biologie in Bremen. Seit 1991 hat Aytas die deutsche Staatsangehörigkeit. Seit 1996 in der SPD, war sie in Beiräten von Hemelingen und Hastedt und kam 2011 in die Bürgerschaft, wo sie Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen ist. Sie ist ehrenamtliches Mitglied im Team des Lagerhauses, Geschäftsführerin des Vereins Gewitterziegen, der sich geschlechtsspezifischer Mädchenarbeit widmet und außerdem in der städtischen Deputation für Soziales, Kinder und Jugend. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Die Grünenpolitikerin Zahra Mohammadzadeh hat im Iran als Lehrerin gearbeitet und ab 1976 an der Universität Teheran studiert, bevor sie nach Deutschland übersiedelte. In Berlin und Bremen studierte sie Humanbiologie. 1990 promovierte sie mit einer Arbeit zur Populationsgenetik. Mohammadzadeh arbeitete beim Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin, im Namibia-Projekt des Bremer Afrika-Archivs und war als Mitarbeiterin der Deutschen Krebsgesellschaft mit der Gesundheits- und Versorgungslage der Flüchtlinge in Bremen befasst. Seit 1993 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes und hält Vorlesungen an den Universitäten Bremen und Oldenburg. Sie ist ledig und hat ein Kind.
Sülmez Dogan kam als Kind türkischer Gastarbeiter zur Welt und wuchs in Bremerhaven auf. Nach ihrem Abitur studierte sie Politologie, Neuere Geschichte und Soziologie in Braunschweig und Rechtswissenschaften in Bremen. Ihr erstes Referendariat absolvierte sie am Oberlandesgericht in Celle. Seit 2007 ist sie in Bremerhaven als Rechtsanwältin tätig. Als Stadtverordnete in der Seestadt und seit 2011 als Abgeordnete der Bürgerschaft sind ihre Themen Jugend, Frauen, Familie und Bildung. Engagements zu Landesverfassung, Rechtsausschuss, Richterwahlausschuss sind Dogans andere Seite. Dogan ist verheiratet und Mutter von drei Kindern.

Quelle: 04.05.2015 / WK

Quelle: Mix / Monat April 2015

Wenn Grenzen verwischen

Politisches, soziales und künstlerisches Engagement lassen sich verbinden. Zwei neue Ausstellungen im Kulturzentrum Lagerhaus vermitteln einen Eindruck davon.
VON MONIKA FELSING

Ostertor. Die Ausstellung „Die Kinder von Shingal“ im Kafé Lagerhaus ist noch nicht eröffnet, da hat Recai Aytas schon Unterstützung bekommen. Die Bremische Evangelische Kirche, die neuerdings undogmatische Gottesdienste im Kulturzentrum Lagerhaus abhält, hat die Kollekte der jüngsten Ausgabe von „Lighthouse Live“, immerhin 510 Euro, weitergereicht.
Recay Aytas, der im Migrationsbüro des Lagerhauses arbeitet, hatte beim Verteilen von Spenden der Aktion „Bremen hilft“ im an yezidische Flüchtlinge im Nordirak geholfen. Wie berichtet, hat er auch zahlreiche Fotos gemacht, vor allem von den Kindern im Lager. Es sind Fotos, die Geschichten von Flucht und Verlorensein erzählen, aus der Perspektive der jüngsten Opfer des Konfliktes. Einige der Aufnahmen sind bis 7. Mai im Kafé Lagerhaus zu sehen. Zur Eröffnung am Freitag, 6. März, spricht um 18 Uhr Helmut Hafner aus der Senatskanzlei.
Am Internationalen Frauentag, Sonntag, 8. März, befindet sich die „La Migration“, die Galerie des Migrationsbüros, um 18 Uhr „In Auflösung“. Unter dem Titel lädt Margarita Escribano, eine in 1980 in Chile geborene Malerin zur Vernissage. Ihre Familie ist vor Pinochet nach Ecuador geflohen. Studiert hat sie in Quito. Seit 2006 lebt sie in Bremen, aber sie hat auch schon in anderen Ländern gearbeitet und unter anderem ihre Videokunst präsentiert. „In Auflösung“ zeigt sie Werke, in denen sich Malerei mit Objektkunst verbindet und Grenzen verwischen.
Eine grenzüberschreitende Mischung aus Gottesdienst und Rock- oder Pop-Konzert ist „Lighthouse Live“. Unkonventionell sind die Gottesdienste im Lagerhaus gedacht, und um das zu unterstreichen, werden sie von einer Band begleitet, die spielt, wozu sonst getanzt wird. „Die biblischen Impulse sind aus dem Alltag gegriffen, sollen ermutigen, stärken und trösten und bieten die Möglichkeit, über Glauben und Leben nachzudenken“, heißt es in der Pressemitteilung der Kirche. „In dieses Verständnis passt auch ein kühles Bier zum Nachklang der kurzen Impuls-Predigt.“ Der nächste Gottesdienst im Lagerhaus steht am Mittwoch, 25. März, um 19 Uhr unter dem Motto „Schwerelos“.
Weitere Informationen im Migrationsbüro des Lagerhauses Schildstraße unter 70100020 und im Internet auf www.migration-bremen.

Quelle: Weserkurier 05.03.2015

 


Undogmatischer Gottesdienst

Ostertor (xik). Den etwas anderen Gottesdienst „Lighthouse.Live“ der Bremischen Evangelischen Kirche gibt es nun seit Dezember einmal monatlich im Kulturzentrum Lagerhaus.
Eine Live-Band spielt regelmäßig Musik von Rock bis Pop und schafft so eine besondere Gottesdienst-Atmosphäre: bunt, laut, offen und einfach anders. Die biblischen Impulse sind aus dem Alltag gegriffen, sollen ermutigen, stärken und trösten und bieten die Möglichkeit, über Glauben und Leben nachzudenken.
Das Motto vom 26. Februar hieß „Makellos“ und wollte vermitteln, dass jeder – so wie er gerade ist – für Gott Bedeutung habe. In dieses Verständnis passt auch ein kühles Bier zum Nachklang der kurzen Impuls-Predigt von Johannes Müller.
Die Kollekte dieses Abends erbrachte eine Spende in Höhe von 510 Euro. Damit wird die Arbeit des Lagerhaus-Migrationsreferenten Recai Aytas unterstützt. Er war Anfang Januar für die multikulturelle und multireligiöse Initiative „Bremen hilft“ in den Nord-Irak gefahren, um jesidische Flüchtlinge mit Hilfsgütern zu unterstützen.
Der nächste Lighthouse.Live-Gottesdienst beginnt am Mittwoch, 25. März, um 19 Uhr. Das Motto lautet dann „Schwerelos“. Der Eintritt für den etwas anderen Gottesdienst der Bremischen Evangelischen Kirche ist frei.
Quelle: Weserkurier (16.03.2015)

Spenden lindern die größte Not

 

Recai Aytas, Migrationsreferent im Kulturzentrum Lagerhaus, hat Ende des Jahres 2014 einen Hilfs-Konvoi mit Kleidung, Decken und anderen Textilien in den Nordirak begleitet. Die Sachspenden sind nach einem Aufruf des Bündnisses „Bremen hilft“ zusammengekommen und den rund 22 000 Yeziden zugute gekommen, die in einer riesigen Zeltstadt bei Baadre leben.
VON LIANE JANZ
Ostertor. Sie sind Flüchtlinge in ihrem eigenen Land. Weil der sogenannte Islamische Staat Teile des Irak in seiner Gewalt hat, sind Zehntausende Iraker auf der Flucht. Viele leben in Flüchtlingslagern. Nahe der türkisch-irakischen Grenze gibt es mehrere solcher Camps und Zeltstädte. In einem davon hat Recai Aytas aus der Migrationsabteilung des Kulturzentrums Lagerhaus unlängst gemeinsam mit anderen Freiwilligen Kleidung verteilt.
Im November rief das Bündnis „Bremen hilft“, bestehend aus der Ezidischen Gemeinde, der Islamischen Religionsgemeinschaft Schura, der Islamischen Religionsgemeinschaft DITIB, der Jüdischen Gemeinde Bremen, der Bremischen Evangelischen Kirche, der Katholischen Kirche Bremen sowie der Kurdischen Gemeinschaft KOMKAR, der Diakonie-Katastrophenhilfe, Bürgerschaftsabgeordneten, der Senatskanzlei und dem Kulturzentrum Lagerhaus die Bremer zu Sach- und Geldspenden auf. Die Gemeinden waren sofort bereit, die Aktion zu unterstützen, sagt Recai Aytas.
Ein Unternehmen stellte eine Lagerhalle in der Überseestadt zur Verfügung, wo die gespendete Kleidung, Decken und andere Textilien gesammelt und sortiert werden konnten. Beim Sortieren halfen DutzendeFreiwillige. Dass das Sortieren hier in Bremen sorgfältig vorgenommen werden muss, wusste Recai Aytas von zwei Hilfseinsätzen, die er nach Erdbeben in der Türkei mitgemacht hatte. Das richtige Sortieren mache die Verteilung später einfacher.
Fahrt dauert acht bis zehn Tage
Die Bremer spendeten so fleißig, dass drei 40-Tonner mit Kleidung in den Nordirak geschickt werden konnten. Den ersten begleitete Recai Aytas kurz nach Weihnachten. Der zweite hat sich in der vergangenen Woche auf den Weg gemacht, der dritte in dieser Woche.
Acht bis zehn Tage dauert die Fahrt von Bremen über die Türkei in den Irak. „An der türkischen Grenze brauchten wir drei Tage“, sagt Recai Aytas. Er fuhr nicht die ganze Strecke mit, sondern traf sich mit dem ersten Konvoi in der türkischen Stadt Diyarbakir. Von dort ging es in die irakische Stadt Zaxo, wo viele Flüchtlinge aus Syrien untergekommen sind. „Die meisten sind Christen.“ Sie könnten jetzt nicht in Syrien bleiben, erzählt Recai Aytas.
Von Zaxo fuhren sie weiter nach Dohuk und Erbil, wo ebenfalls viele Flüchtlinge leben. Mit dabei waren die kurdische Sängerin Fate Xan und das kurdische Fernsehen. Auch Personenschützer waren an der Seite des Konvois. „Mich haben etwa zwölf Personen begleitet.“ Auf dem ganzen Weg schloss Recai Aytas Bekanntschaften und begann, ein Netzwerk aufzubauen, das bei den beiden folgenden Konvois aus Bremen hilfreich sein würde. „Ich wollte nicht nur Sachspenden verteilen, sondern analysieren, wie man mit dem Geld umgehen soll.“ Das Bündnis „Bremen hilft“ hat genug Spenden bekommen, um alle drei Transporte bezahlen zu können. Rund 20 000 Euro seien noch übrig, von denen Ölöfen gekauft werden sollen. 15 000 Euro seien vom Senat gekommen, erzählt Recai Aytas. Davon wurden bereits rund 600 Ölöfen gekauft und an Flüchtlinge verteilt. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt seien die auch dringend nötig.
Die Sachspenden haben Recai Aytas und seine Helfer im Flüchtlingslager Baadre nahe dem religiösen Zentrum der Yeziden Lalish verteilt. In Baadre leben rund 22 000 Yeziden, die aus ihren Dörfern fliehen mussten, in Zelten – der Großteil davon Frauen und Kinder. Viele Männer seien im Kampf oder bereits getötet worden, erzählt Recai Aytas. Zahlreiche Familien vermissen eine Tochter, Schwester oder Mutter, die von IS-Kämpfern entführt worden seien. „Die Menschen sind traumatisiert, alle haben Angst.“ Vor allem, wenn ein Mann auftaucht, den sie nicht kennen. Eine Gruppe Frauen, die Brot backte, hat Recai Aytas fotografiert, nachdem er sich ihnen vorgestellt und erzählt hatte, wo er herkommt und was er in Bremen macht. Das Misstrauen war groß, schließlich durfte er aber doch näherkommen.
Außer dem Bremer Konvoi waren – und sind noch – andere, internationale Hilfsorganisationen vor Ort. „Ohne sie wäre es katastrophal“, betont Aytas. Ein weiterer bleibender Eindruck: „Ich habe viele Kinder ohne Schuhe gesehen.“ Manche seien auf Strümpfen herumgelaufen, andere hatten zwar Schuhe, aber keine Strümpfe an. Der Bremer Transport kam keinen Moment zu früh. Die Menschen in dem Lager sind von Stacheldraht eingezäunt. Es gibt nur wenige Ein- und Ausgänge, die bewacht und abends geschlossen werden. Dann taucht das Militär auf – zum Schutz der Flüchtlinge. Die Gefahr ist allgegenwärtig. Auf dem Weg in das Lager, erzählt Recai Aytas, sei er durch zerstörte Dörfer gefahren. Aussteigen durfte er dort nicht.
Mit seiner Reise in den Nordirak hat Recai Aytas auch den Weg für die zwei weiteren Bremer Konvois bereitet. Die Sachen werden in Dohuk geteilt: Ein Teil geht ins Flüchtlingslager Laalish und ein anderer nach Shingal.
Sachspenden braucht „Bremen hilft“ derzeit nicht. Geld wird aber weiter gesammelt. Im März möchte Recai Aytas eine Fotoausstellung im Kulturzentrum Lagerhaus in der Schildstraße zeigen. „Kinder aus Shingal“ soll sie heißen.
Quelle: Weser Kurier / 05.02.2015

Besser zu zweit durch Bremen

 

Ob zugereist oder Bremer, BIT bietet vor Ort die Gelegenheit andere Kulturen näher kennenzulernen als bei der zweiwöchigen Flugreise. In regelmäßigen Treffen zu zweit oder im interkulturellen Kreis im Lagerhaus geht es darum, Menschen und Kulturen schätzen zu lernen.
VON EDWIN PLATT
Ostertor. Renate Beck und Eusevia Torrico sitzen im Büro des Kulturzentrums Lagerhaus im dritten Stock. Sie tauschen sich zum BIT Projekt aus. Die Idee ist im Lagerhaus entstanden. Für drei Jahre sind Fördermittel bewilligt. BIT, Bremische Integrations-Tandems, so die Idee, sollte die beiden Lagerhaus Abteilungen Ökologie und Migration gleichermaßen berücksichtigen. Herausgekommen ist in der Praxis ein Projekt, das Zuwanderer und Bremer durch regelmäßige Treffen miteinander verbindet.
Über Sprachprojekte des Kulturzentrums Lagerhaus kommen Zuwanderer ans BIT Projekt. „Wir suchen Menschen ohne Migrationshintergrund“, so Renate Beck. „Ziel von BIT ist Verständigung und Gegenseitigkeit“, führt Renate Beck aus, wobei Verständigung durchaus in vielerlei Sinn aufgefasst werden darf, denn es geht eben nicht bloß um Sprache, sondern auch um kulturelles und persönliches Kennenlernen. „Wir suchen nicht Deutsche, die nur Deutsches vermitteln, sondern einen Austausch von beiden Seiten“, gibt Renate Beck Interessierten vor.
Zum Projekt gehört es, sich Zeit zu nehmen mit dem Kennenlernen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Sich mit einem Menschen eines anderen Kulturkreises über Pünktlichkeit im Beruf, aber auch in der hier so straff organisierten Freizeit auszutauschen, eröffnet unter Umständen Horizonte. Das gilt besonders, kommt der Tandempartner aus dem orientalischen Raum, denn dort gilt es als unhöflich, wenn man sich begegnet, sei es auch nur zufällig, nicht in ein Gespräch zu kommen. Gilt hier ein persönliches Gespräch als ein Zeichen von Zugewandtheit, ist das längst nicht überall so, sondern entspricht vielleicht nur der gebotenen Höflichkeit und hat darüber hinaus keinerlei persönliche Bedeutung.
„Erika“ lebt seit 25 Jahren in Bremen und ist Teil eines Tandems. „Hier geht mir voll oft alles zu schnell“, sagt sie. „Termin auf Termin, das kann ich nicht, da geht mir Leben verloren.“ Doch typischer für erste Tandem-Treffen sind alltägliche Themen wie: Was bekomme ich im Supermarkt, eine Straßenbahnfahrt und die Tarife, ein Arzt- oder Behördenbesuch, der Spaziergang an der Weser, der Kino- oder Museumsbesuch. Dabei ist es wenig sinnvoll, spendabel den Kaffee, das Eis, das Museum zu bezahlen, das brächte den Austausch ins Ungleichgewicht, und Zugereiste sind nur zu einem Teil finanziell nicht gut gestellt.
Die Projektleiter kennen die Frage als Ausdruck von „Überlegenheit“ der Deutschen gut: „Warum stehen wir so gut da“. Diese Frage wirft aber gerade und berechtigt bei anderen Kulturen, wie afrikanischen, nicht nur Bewunderung hervor. Wer sich also vorstellen kann, innerhalb des BIT-Programms, Tandempartner für die Orientierung in einer neuen Kultur zu werden, sollte sich Kritik stellen können.
Vermittelte Tandempartner treffen sich regelmäßig zu zweit oder als zwei Familien. Darüber hinaus finden monatliche Treffen im Lagerhaus statt, die allen BIT- Teilnehmern zum Austausch offenstehen, und es gibt durch das Lagerhaus angebotene Exkursionen die dem Thema Ökologie gewidmet sind wie dem „Grünen Markt“, der Botanika oder der Ökologiestation Nord. Teilnehmer kommen und werden aus allen Stadtteilen gesucht, sei es Gröpelingen, die Vahr oder die Neustadt.
„Interkulturelle Begegnungen bestehen nicht nur aus dem Angenehmen wie Urlaub, Essen oder Festen. Ich sollte auch bereit sein, mein eigenes Verhalten zu reflektieren“, findet Renate Beck und beschreibt: „Sich zum Essenkochen zu verabreden, ist immer spannend. Spanische Zuwanderer haben fast immer einen sehr hohen Bildungsstand, aber auch viele andere Europäer, die hier eine Karriere suchen. Viele haben Ein- und Auskommen, einige auch Vermögen.“
BIT, Bremische Integrations-Tandems, im Kulturzentrum Lagerhaus, Schildstraße 12 – 19. Renate Beck Telefon, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag jeweils 10 bis 16 Uhr. E-Mail: info@bit-bremen.de.
Quelle: WK/Mitte - 19.02.2015

Bremer Spenden erreichen Nordirak

 

Bremen (ssu). Viele Bremerinnen und Bremer haben im Dezember für die Menschen in Syrien und im Irak gespendet: Geld, aber auch Winterjacken, Schals, Decken und Schlafsäcke. Nun erreichten die ersten Hilfsgüter aus Bremen den Nordirak: Ein Lkw mit rund 800 Kartons voller Winterkleidung sei am Montagvormittag bei zwei Flüchtlingslagern nahe der Stadt Dohuk angekommen, sagt der Bürgerschaftsabgeordnete Cindi Tuncel, der die Aktion „Bremen hilft“ mit organisiert. Zwei Bremer begleiten den Transport. „Ich bin überwältigt von der Spendenbereitschaft der Bremerinnen und Bremer“, so Tuncel. Zusätzlich sind bislang rund 25 000 Euro an Geldspenden zusammengekommen, wie Helmut Hafner von der Senatskanzlei mitteilt.
„Bremen hilft“ steht für ein lokales Bündnis verschiedener Religionsgemeinschaften, von Vereinen und der Senatskanzlei. Das Bündnis ruft zu Spenden auf. „Wir machen weiter“, sagt Tuncel. Noch bis zum 15. Januar könne Winterkleidung bei einer Lagerhalle am Holzhafen 10 abgegeben werden, montags und mittwochs von 17 bis 20 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr. Fragen zum Spendenkonto und zur Aktion beantwortet Cindi Tuncel unter der Telefonnummer 0173 / 805 71 91.

Kulturzentrum Lagerhaus e.V. Bereich MIGRATION
Schildstr. 12-19
28203 Bremen
Telefon: 0421-70100020/21

Telefax: 0421-70100022

Anfahrt

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen Sie uns mit den Linien 2, 3 und 10 (Haltestelle Sielwall)

 

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